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Geleitworte
Der letzte Doppelstockwagen DW 8 der "Lübeck-Büchener Eisenbahn Gesellschaft" ist unter den Hammer gekommen, sein Schicksal ist ungewiß. Fehlentscheidungen und Mißmanagement seiner Eigner haben zu diesem Desaster geführt. Ein Desaster deshalb, da damit ein Stück Lübecker Technikgeschichte verloren geht.
Das ist leider typisch für die Hansestadt Lübeck, die sich lieber in der mitteralterlichen Bedeutung sonnt, sich aber von der jüngeren und jüngsten Geschichte abwendet. Später als in anderen Regionen Deutschlands kam die Eisenbahn nach Lübeck. Bedeutsame Technikentwicklungen, vor allem im Eisenbahnwesen nahmen ihren Ausgang in Lübeck.
Die "Lübeck-Büchener Eisenbahn Gesellschaft" war als norddeutsche Gesellschaft eines der innovativsten Eisenbahn-Unternehmen ihrer Zeit in Deutschland. Der Doppeldeckwagen, wie es damals hieß, war ein solches innovatives Objekt. Alle in Deutschland gebauten und fahrenden Doppelstockwagen gehen auf diesen Wagen zurück.
Aufmerksamkeit erzielte der in die ursprüngliche Farbgebung zurückversetzte Doppeldeckwagen, der vom früheren "Verein Lübecker Verkehrsfreunde" für Sonderfahrten eingesetzt wurde. An einigen dieser Fahrten nahm der Autor selber teil.

Übergabe des DW 8 1976 an den VLV durch die Possehl-Stiftung
Die Zahl der Publikationen, die sich mit der LBE beschäftigen ist gewachsen. Die Möglichkeiten des Internets geben nun die Möglichkeit, diese innovative Privatbahn wieder ins Bewußtsein der Interessenten zu bringen.
Insbesondere der Kreis "Freunde der LBE" hat es geschafft, die Erinnerung an die LBE wachzuhalten und auszubauen.
Als am 15ten October 1851 Ingenieur Grube eine Einladungskarte zur Eröffnungs-Fest-Fahrt erhielt, konnte er da ahnen, dass diese Bahn noch heute auf Interesse stößt? 
Das Interesse an der LBE beschränkt sich heute allein auf Privatpersonen. Seitens der "Deutschen Bahn AG" ist das Interesse gering oder überhaupt nicht vorhanden. Wenn der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn davon gesprochen hat "Zukunft braucht Vergangenheit", war das wohl nur auf den "Adler" und den "ICE" gemünzt, denn dazwischen gibt es nicht mehr viel. Vom Verkehrsmuseum in Nürnberg möchte man sich eigentlich so schnell wie möglich trennen und der Begriff "Historisch" ist ein Unwort bei der DB geworden.
Die moderne Bahn ist einfallslos, einheitlich und anonym. Eisenbahnvereine und Eisenbahninteressiert wissen ein Lied davon zu singen. Eisenbahn ist in vielen Köpfen unsere Bevölkerung einfach nicht mehr präsent.
Welche Euphorie in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn wecken konnte, möge beispielhaft an dem "Neues Eisenbahnprojekt", wie es damals 1856 in den "Neue Lübeckische Blätter" formuliert wurde, gezeigt werden. Offenbar teilt man jedoch in Lübeck diese Euphorie nicht, denn dieses Projekt wurde wohl still begraben.
Das Ziel dieser Seite soll es sein, die Liebe zur Eisenbahn wachzuhalten und vielleicht auch zu wecken; natürlich insbesondere zur "Lübeck-Büchener Eisebahn".
Auch soll deutlich gemacht werden, dass Eisenbahn immer noch ein Innovationsträger ist und Entwicklungen vorantreiben kann. In der Lübecker Region beschäftigen sich Menschen mit dem angeblichen Wertverlust Ihrer Immobilien durch die Nähe zur Bahn.
Vergessen wird dabei, dass das heutige Verkehrsaufkommen auf der Schiene nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was bereits in den 60 und 70iger Jahre von Lübeck via Puttgarden nach Dänemark rollte. Das zeigt deutlich, welchen Stellenwert die Eisenbahn gegenüber dem Auto hat. Die lfd. Diskussion in den Ostseebädern übersieht dabei aber offenbar, dass die avisierten Verkehre überhaupt nicht durch das Nadelöhr "Lübeck Hbf" passen. Es wäre deshalb viel sinnvoller die Strecke von Neustadt via Ascheberg nach Neumünster als Güterzugtrasse wieder zu errichten.
Der ablehnendeTrend, alles "Historische" von den Gleisen im Norden zu verbannen, wird jedoch leider auch von Beschäftigten des Unternehmens "Deutsche Bahn" gestützt. Wie kann anders die Aussage gewertet werden, die seitens eines Verantwortlichen des Staatsunternehmens formuliert wurde: "Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich diesen ganzen historischen Käse herausschmeißen."
Das ist die Situation.
